Softwareentwicklung in Deutschland: Eine moderne Kraft, die Innovation vorantreibt

Softwareentwicklung ist das unsichtbare Räderwerk, das unsere digitale Welt antreibt. In Deutschland, dem größten Softwaremarkt in Europa, nimmt die Softwareentwicklung eine zentrale Rolle in der Wirtschaft und Gesellschaft ein. Aber was bedeutet Softwareentwicklung eigentlich?

Agenda

Laut Michael Fritsch, Professor für Wirtschaftsgeografie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, „ist die Softwareentwicklung in Deutschland nicht nur ein bedeutender Wirtschaftszweig, sondern auch eine Quelle von Innovation und technologischer Entwicklung.“

Betrachten wir beispielsweise das Unternehmen SAP, das in den 1970er Jahren in Walldorf gegründet wurde. Heute ist es eines der größten Softwareunternehmen der Welt, das eine breite Palette von Unternehmenssoftwareprodukten anbietet und dabei hilft, Geschäftsprozesse zu optimieren. SAP ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine Idee, gepaart mit Fachwissen in der Softwareentwicklung, zu einem globalen Phänomen werden kann.

Zugleich zeigt der wachsende Sektor der Start-ups in Berlin, dass Softwareentwicklung nicht nur auf große, etablierte Unternehmen beschränkt ist. Mit einer dynamischen Szene, die von der Kreativität und dem Unternehmergeist junger Entwickler getrieben wird, ist Berlin zu einem Hotspot für Software-Start-ups geworden. „Die Berliner Software-Start-up-Szene ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Softwareentwicklung neue Geschäftsmodelle und Lösungen für eine Vielzahl von Branchen hervorbringen kann“, sagt Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Dieser Artikel soll ein umfassendes Bild der Softwareentwicklung in Deutschland zeichnen – von ihrer Geschichte und ihrem gegenwärtigen Stand, über die verwendeten Methoden und Technologien, bis hin zu Ausbildungsmöglichkeiten und Zukunftsprognosen.

Folge uns

Historischer Überblick: Die Wurzeln der Softwareentwicklung in Deutschland

Die Anfänge der Softwareentwicklung in Deutschland können auf die 1940er Jahre und die Arbeit von Konrad Zuse zurückgeführt werden, einem Pionier der Informatik, der den ersten programmierbaren Computer der Welt, die Z3, entwickelte. Zuse schuf damit eine Basis für das, was später die Softwareentwicklung werden sollte.

Ein weiterer bedeutender Schritt war die Gründung von Siemens‘ Softwareabteilung in den 1960er Jahren. „Siemens hat einen wesentlichen Beitrag zur Förderung der Softwareentwicklung in Deutschland geleistet, indem es die Bedeutung von Software in einer zunehmend computerisierten Welt erkannte und investierte“, erläutert Prof. Dr. Tobias Kollmann, Lehrstuhlinhaber für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen.

In den 1970er Jahren wurde mit der Gründung von SAP ein weiterer wichtiger Meilenstein gesetzt. SAP, ursprünglich ein kleines Softwareunternehmen, das von fünf ehemaligen IBM-Mitarbeitern gegründet wurde, wuchs zu einem globalen Giganten heran und half dabei, die deutsche Softwarelandschaft zu formen.

Mit dem Aufkommen des Internets in den 1990er Jahren und der Verbreitung von Mobilgeräten in den 2000er Jahren entstanden völlig neue Bereiche für Softwareentwicklung. Unternehmen wie Zalando und SoundCloud, beide in Berlin gegründet, sind Beispiele für das Potenzial, das in diesen neuen Bereichen liegt. „Die Entstehung des Internets und der Mobiltechnologie hat die Landschaft der Softwareentwicklung völlig verändert und neue Möglichkeiten für die Entwicklung innovativer Anwendungen und Dienstleistungen geschaffen“, kommentiert Dr. Jürgen Krämer, Geschäftsführer der Software AG Deutschland.

Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ist Deutschland ein Zentrum für Softwareentwicklung, das sowohl etablierte Unternehmen als auch eine lebendige Start-up-Szene umfasst, die ständig auf der Suche nach neuen Wegen ist, Technologie zur Lösung realer Probleme einzusetzen.

Aktueller Stand: Die deutsche Softwarebranche heute

Die Softwareindustrie in Deutschland ist heute vielfältig und dynamisch. Laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) war der Umsatz der deutschen IT- und Telekommunikationsbranche im Jahr 2022 auf über 170 Milliarden Euro gestiegen, wobei der Großteil davon auf die Softwarebranche entfiel.

Deutschland beheimatet einige der weltweit führenden Softwareunternehmen wie SAP, Software AG und Siemens, die branchenübergreifende Lösungen bieten. Gleichzeitig gibt es eine lebendige Start-up-Szene, besonders in Städten wie Berlin, München und Hamburg, die innovative Softwarelösungen in Bereichen wie Fintech, E-Commerce und KI entwickeln.

Dr. Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research, betont: „Die deutsche Softwareindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftsmotor. Sie schafft Arbeitsplätze, fördert Innovation und trägt zur Digitalisierung aller Branchen bei.“

Eine Fallstudie dazu ist das Berliner Unternehmen N26. Als digitale Bank bietet N26 innovative Finanzdienstleistungen an, die traditionelle Bankgeschäfte revolutionieren. Es zeigt, wie Softwareentwicklung das Potenzial hat, traditionelle Industrien neu zu definieren.

Aber die Softwareentwicklung in Deutschland beschränkt sich nicht nur auf Softwareunternehmen. Eine Vielzahl anderer Branchen, darunter Automobilindustrie, Maschinenbau und Gesundheitswesen, setzen zunehmend auf Softwarelösungen, um Effizienz zu steigern, neue Dienstleistungen anzubieten und die Kundenerfahrung zu verbessern. Ein gutes Beispiel ist die Automobilindustrie, die verstärkt auf Software setzt, um autonome Fahrzeuge und vernetzte Mobilitätssysteme zu entwickeln.

Ungeachtet der aktuellen Herausforderungen zeigt die Softwarebranche in Deutschland eine beeindruckende Widerstandsfähigkeit und Innovationskraft, die sie zu einem zentralen Bestandteil der deutschen Wirtschaft machen.

Softwareentwicklungs-methoden und Technologien: Die Werkzeuge der deutschen Entwickler

In der Softwareentwicklung in Deutschland kommen vielfältige Methoden und Technologien zum Einsatz. Agile Methoden wie Scrum und Kanban haben sich als effektive Werkzeuge zur Steuerung von Softwareprojekten etabliert, indem sie Flexibilität ermöglichen und die Zusammenarbeit fördern.

„Die agile Methode hat das traditionelle Wasserfallmodell in vielen deutschen Unternehmen abgelöst und ermöglicht eine schnellere und effizientere Softwareentwicklung“, erklärt Prof. Dr. Ayelt Komus, Experte für Prozessmanagement und Agile Methoden an der Hochschule Koblenz.

Hinsichtlich der Programmiersprachen ist Java immer noch eine der am häufigsten verwendeten Sprachen in Deutschland, aber auch Python und JavaScript erfreuen sich großer Beliebtheit, insbesondere in Start-ups und in Bereichen wie Data Science und Webentwicklung.

Im Hinblick auf Technologien haben Cloud Computing und DevOps (Development and Operations) die Art und Weise, wie Software entwickelt und bereitgestellt wird, revolutioniert. Mit Unternehmen wie SAP und Deutsche Telekom, die umfangreiche Cloud-Dienste anbieten, und einer Vielzahl von Unternehmen, die Cloud-basierte Lösungen nutzen, spielt Deutschland eine führende Rolle in der europäischen Cloud-Landschaft.

„In Deutschland gibt es ein zunehmendes Bewusstsein für die Vorteile von Cloud-Computing und DevOps. Diese Technologien ermöglichen eine schnellere Bereitstellung, Skalierbarkeit und effiziente Zusammenarbeit“, sagt Mirko Novakovic, Mitgründer und CEO von Instana, einem führenden Anbieter von Application-Performance-Management-Lösungen.

Auch aufstrebende Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Blockchain und Internet der Dinge (IoT) gewinnen in der deutschen Softwareentwicklung immer mehr an Bedeutung und bieten spannende Möglichkeiten für die Entwicklung innovativer Softwarelösungen.

Ausbildung und Qualifikationen: Wege in die Softwareentwicklung in Deutschland

Es gibt verschiedene Wege, um in Deutschland eine Karriere in der Softwareentwicklung zu starten. Eine Möglichkeit ist das Studium der Informatik oder eines verwandten Fachs an einer Universität oder Fachhochschule. Es gibt zahlreiche Universitäten und Fachhochschulen im ganzen Land, die erstklassige Programme in diesen Bereichen anbieten, darunter die Technische Universität München, die RWTH Aachen und die Universität Karlsruhe.

„Ein Informatikstudium bietet eine solide Grundlage für eine Karriere in der Softwareentwicklung“, sagt Prof. Dr. Oliver Günther, Präsident des Hasso-Plattner-Instituts für Digital Engineering. „Aber es ist auch wichtig, praktische Erfahrungen zu sammeln und kontinuierlich neue Technologien und Methoden zu erlernen.“

Alternativ dazu bieten Berufsausbildungen und duale Studiengänge eine Kombination aus theoretischem Unterricht und praktischer Arbeitserfahrung. Berufsbezeichnungen wie „Fachinformatiker Anwendungsentwicklung“ oder „IT-System-Elektroniker“ sind in diesem Kontext üblich. Viele Unternehmen, insbesondere in der IT-Branche, bieten solche Ausbildungen an.

Darüber hinaus gibt es eine wachsende Anzahl von Coding-Bootcamps und Online-Kursen, die eine intensivere, auf spezifische Fähigkeiten ausgerichtete Ausbildung bieten. Sie können eine gute Möglichkeit sein, spezifische Programmiersprachen zu lernen oder Kenntnisse in Bereichen wie Webentwicklung oder Datenanalyse zu erweitern.

Unabhängig vom gewählten Weg ist lebenslanges Lernen ein Schlüsselelement für eine erfolgreiche Karriere in der Softwareentwicklung, da die Technologien und Methoden ständig weiterentwickeln.

Zukunftsperspektiven: Prognosen und Herausforderungen der Softwareentwicklung in Deutschland

Die Zukunft der Softwareentwicklung in Deutschland sieht vielversprechend aus. Laut Bitkom wird erwartet, dass der IT-Sektor weiter wachsen und die Nachfrage nach Softwareentwicklern in den nächsten Jahren hoch bleiben wird. Zugleich stehen die Branche und ihre Fachleute vor einer Reihe von Herausforderungen und Chancen.

Einer der größten Herausforderungen ist der Fachkräftemangel. Trotz eines Anstiegs der Anzahl der Informatikabsolventen und der steigenden Popularität von Coding-Bootcamps gibt es noch immer einen Mangel an qualifizierten Softwareentwicklern. „Um den Bedarf an Softwareentwicklern zu decken und die digitale Transformation voranzutreiben, muss Deutschland weiter in die Bildung und Ausbildung investieren“, betont Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Geschlechtervielfalt in der Branche zu erhöhen. Frauen sind in der Softwareentwicklung unterrepräsentiert, und es wird verstärkt Anstrengungen unternommen, um mehr Frauen für die Branche zu gewinnen.

Zu den Zukunftstrends in der Softwareentwicklung gehören weiterhin Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Datenanalyse. Diese Technologien bieten ein enormes Potenzial für die Entwicklung innovativer Anwendungen und Dienstleistungen.

Auch Themen wie Nachhaltigkeit und Ethik in der Softwareentwicklung werden immer wichtiger. „Softwareentwickler müssen zunehmend über den Tellerrand hinausblicken und die sozialen und ökologischen Auswirkungen ihrer Arbeit berücksichtigen“, sagt Prof. Dr. Sarah Spiekermann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Trotz der Herausforderungen sind die Aussichten für die Softwareentwicklung in Deutschland positiv. Mit kontinuierlichen Investitionen in Bildung, Innovation und Infrastruktur wird die Softwareentwicklung in Deutschland auch weiterhin eine treibende Kraft in der digitalen Wirtschaft bleiben.

„Die Zukunft der Softwareentwicklung in Deutschland ist vielversprechend“, sagt Dr. Andreas Goerdeler, Leiter der Abteilung für digitale und Innovationspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. „Wir haben die Talente, die Infrastruktur und den Willen, innovative Lösungen zu entwickeln, die einen realen Unterschied machen. Wir müssen diese Stärken nutzen, um unsere digitale Zukunft zu gestalten.“

Du bist bereit, Teil der aufregenden und dynamischen Welt der Softwareentwicklung in Deutschland zu werden? Dann werfe einen Blick auf unser Jobboard. Dort findest du eine Vielzahl von Stellenangeboten für Softwareentwickler. Ob du gerade erst in der Branche startest oder bereits ein erfahrener Profi bist, wir bieten zahlreiche Möglichkeiten, um deine Fähigkeiten und Leidenschaft in die Praxis umzusetzen und einen Beitrag zur digitalen Zukunft Deutschlands zu leisten. Schau dir noch heute die verfügbaren Stellen an und starte dein nächstes Kapitel in der Softwareentwicklung.

Quellenangaben

  • Bitkom.org: „Trotz Krieg und Krisen: In Deutschland fehlen 137.000 IT-Fachkräfte“ (Bitkom-Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom)
  • Bundesagentur für Arbeit: Blickpunkt Arbeitsmarkt: IT-Fachleute
  • Institut der Deutschen Wirtschaft: KOFA Kompakt 2/2022: Die Fachkräftesituation in den IT-Berufen
  • Institut der Deutschen Wirtschaft: MINT-Frühjahrsreport 2023
  • McKinsey & Company: Studie zum IT-Fachkräftemangel im Öffentlichen Dienst
  • Golem.de: „Branchenforderung: Förderung und Zuwanderung, um Fachkräftemangel entgegenzuwirken“
  • IT-Talents.de: „IT-Fachkräftemangel: Umschulung als Chance?“ (Umfrage des Weiterbildungsportals neuefische)
  • Statista: Statistik zu IT-Stellen, die schwer zu besetzen sind
  • Dekra-akademie.de: „Die unterschiedlichen Aufgaben in der Softwareentwicklung“ (redaktionell bearbeitet durch get in IT)